Das Enneagramm

Klar sehen. Authentisch wachsen.
Gekonnt führen. Ergebnisse erzielen.

„Ihrem Wesen nach sind alle Modelle falsch, aber einige sind nützlich.“

 

George Box, Statistiker

Das Enneagramm ist ein vielschichtiges Modell. Wie alle Modelle beinhaltet es nicht sämtliche erdenklichen Varianten und Möglichkeiten, sondern abstrahiert das Wesentliche. Ähnlich wie eine Brille nur eine Sehhilfe darstellt und nicht die natürliche Sehfunktionen der Augen wieder herstellt. Oder die berühmte Landkarte nicht die lebendige Landschaft ist.

Der Wert von Persönlichkeitsmodellen besteht darin, dass sie sich auf wichtige Aussagen beschränken, wie z.B. zentrale Eigenarten, Fähigkeiten, Stärken und Schwächen. Sie ermöglichen uns eine Form des “Draufschauens” und liefern damit kostbare Einblicke an genau die Stellen, wo unsere blinden Flecken sitzen.

Ein gutes Modell gibt uns Hinweise, um die Hürden des beruflichen und privaten Alltags besser meistern zu können. Kaum ein Modell beschreibt diese Wegweiser besser als das Enneagramm.

„Enneagramm“ bezieht sich wörtlich auf ein Diagramm mit neun sich überschneidenden Linien, die neun Punkte auf einem Kreis definieren („ennea“ ist griechisch für neun, „Gramm“ für Symbol oder Zeichen).

Es gibt zwei Dimensionen der Persönlichkeit, die durch das Enneagramm beschrieben werden. Ein inhärentes System instinktiver Bedürfnisse und neun verschiedene Vorgehensweisen, um den von uns bevorzugten Gefühlszustand zu erreichen und aufrechtzuerhalten.

Daraus resultieren bestimmte wiederkehrende Verhaltensmuster, um eben diese, uns so wichtigen, instinktiven und emotionalen Bedürfnisse zu befriedigen. Mit anderen Worten, das Enneagramm hilft uns, zu verstehen, was uns unbewusst motiviert, wichtig ist und wie wir vorgehen, um das zu erhalten, was wir wollen.

Viele Ansätze des Enneagramms konzentrieren sich nur auf die zweite Dimension – die Punkte entlang des Kreises. Viele betrachten den Aspekt der „Instinkte“ und das damit einhergehende Wertesystem unserer menschlichen Natur als sekundär. Sie integrieren es in ihre Lehre oberflächlich, überhaupt nicht oder gar falsch. Weitere Ansätze blasen das ganze System unnötig auf und reduzieren damit seine Alltagstauglichkeit erheblich.

Mario Sikora hebt mit seiner Awareness to Action-Annäherung an das Enneagramm beide Dimensionen gleichermaßen hervor.

Awareness to Action beschreibt ein dreistufiges Modell der Instinctual Biases und ein neunstufiges Modell unterschiedlicher „Strategien“. Die Kombination beider Modelle ergibt eine fundierte und verständliche Version der 27 Subtypen des Enneagramms.

Claudia Schöffler ist zertifizierte Enneagramm-Lehrerin und Partnerin von Awareness to Action International. Claudia bietet individuelle Enneagramm-Beratung an. Auch via Zoom möglich.

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Ein unkomplizierter, pragmatischer Ansatz

Es gibt multiple Annäherungen und Ansätze, das Enneagramm zu verstehen, zu lehren und zu vermitteln.

Als universelles Modell kann es ähnlich einer Schablone auf zahlreiche Themengebiete angepasst und angewendet werden. Häufig hängt es mit dem Hintergrund des Lehrenden oder der Zuhörer:innen – respektive Leser:innen – zusammen, aus welcher Ecke das Ganze beleuchtet wird. Es ist nachvollziehbar, dass ein Psychologe das Enneagramm durch seine fachliche Brille betrachtet oder ein Theologe die Parallelen zu seiner Religion hervorhebt.

Das Awareness to Action-Enneagram™ besticht durch seinen unkomplizierten, pragmatischen Ansatz. Es wurde von dem US-Amerikaner Mario Sikora entwickelt, um Führungskräften ein schnelles und effektives Tool an die Hand zu geben. Mario hat maßgeblich Pionierarbeit geleistet, das Enneagramm in die Wirtschaft und in Unternehmen zu bringen.

Die 3 Instinctual Biases bilden die erste Dimension des Awareness to Action-Enneagramms der Persönlichkeit.

Diese unseren Instinkten entspringende Verzerrung der Realität sind tief verwurzelte Veranlagungen, bestimmte Aspekte des Lebens als wichtiger zu empfinden als andere. Wir konzentrieren und richten unsere Aufmerksamkeit mehr auf bestimmte Themengebiete als auf andere.

Diese instinktiven Anliegen lassen sich in drei große Kategorien einteilen. Wir schenken jedem dieser spezifischen Themenblöcke ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit. Gleichzeitig neigen wir jedoch dazu, uns einem Bereich mehr zuzuwenden als den anderen beiden.

Wir sind auf eine der drei Domänen wesentlich stärker fokussiert und geben den damit assoziierten Anliegen mehr Gewicht, als anderen Themen. Diese Domänen sind:

PRESERVING

… fokussiert alles, was mit „kümmern, hegen und pflegen“ zusammenhängt und der Absicherung überlebenswichtige Grundbedürfnisse wie Nahrung, Wasser, Komfort, Schutz und generelle Sicherheit vor Schaden.

NAVIGATING

… fokussiert alles, was mit „einordnen, ausrichten und an der Gruppe orientieren“ zusammenhängt und auf das Knüpfen von Allianzen, Vertrauensaufbau und Wechselwirkung, Gegenseitigkeit und dem Erfassen, wie man selbst und wie die anderen in das soziale Gefüge der Gruppe passen.

TRANSMITTING

… fokussiert alles, was mit „anlocken, bezirzen und verbinden“ zusammenhängt und auf die Weitergabe von Genen, Überzeugungen, Werten, Interessen und Weltanschauungen. Es geht darum, andere zu Trägern und Boten dieser Informationen zu machen.

Was wir wertschätzen, beeinflusst das, worauf wir uns im Alltag oder bei der Arbeit konzentrieren.

Es handelt sich nicht um moralische oder ethische Werte, sondern was uns persönlich einfach wichtig erscheint. Was uns wichtig ist, stellt für uns einen Wert dar! 

Diese Instinctual Biases beeinflussen maßgeblich, wie wir mit unserer Umwelt interagieren und vieles mehr.

Menschen mit sich unterscheidenden Instinctual Biases werden Aufgaben und Ziele unterschiedlich angehen oder definieren. Es überrascht uns, wenn Lebenspartner, Kollegen oder das eigene Kind ihre Prioritäten völlig anders setzen, als wir es selbst tun würden. Prioritäten spiegeln Werte. Was ist mir wichtig? Was ist mir nicht so wichtig?

Diese unterschiedlichen Wertesysteme sind häufig Ursache von Missverständnissen und Spannungen.

Den Einfluss der Instinctual Biases auf uns und andere zu verstehen, kann uns helfen, die Werte des anderen zu akzeptieren, ohne die eigenen zu negieren. Dieses Verständnis trägt dazu bei, Konflikte zu reduzieren und Beziehungen zu verbessern. Was Führungskräfte und Teams viel Nerven und Zeit sparen kann.

 

Es gibt 9 („Ennea“ in „Enneagram“ neun) verschiedene adaptive Strategien, um unseren instinktiven Anliegen, Sorgen und Bedürfnisse zu begegnen oder zu befriedigen.

Die Strategien sind gleichbleibende durchgängige Muster des Fühlens, Denkens und Handelns, die unsere Interaktionen mit unserer Umwelt (und Mitmenschen) beeinflussen.

Wie bei den instinktiven Bereichen wenden wir alle neun Strategien an, die einen mehr, die anderen weniger. Eine der neun Strategien nutzen wir jedoch mehr als die anderen acht. Wegen der gewohnheitsmäßig häufigen Anwendung nennen wir diese die „bevorzugte“ Strategie.

Jeder Punkt entlang des Enneagramm Kreises stellt eine bestimmte Strategie dar. Im gängigen Enneagramm-Sprachgebrauch wird die jeweilige Ziffer verwendet, um die verschiedenen Persönlichkeitsstile zu benennen.

So wird jemand, dessen bevorzugte Strategie darin besteht, sich „perfekt zu fühlen“, als Ennea-Typ EINS bezeichnet; jemanden, der danach strebt, sich „verbunden zu fühlt“, ist ein Ennea-Typ ZWEI usw.

Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Verwendung des Wortes „Typ“ nicht automatisch impliziert, dass wir ausschließlich diese eine Strategie anwenden.

Wir nutzen viele der Strategien, je nach Umstand und Situation. Der Begriff Ennea-Typ EINS, ZWEI etc. bedeutet schlicht, dass ein typisches Verhalten mit der Anwendung einer der neun Strategien in Verbindung gebracht werden kann – ob im negativen „unangemessenen“ Sinne oder im positiven „angemessenen“ Sinne.

Unserer Persönlichkeitsmerkmale werden auch durch die Anwendung der anderen Strategien beeinflusst, insbesondere durch die Strategien an den beiden Punkten, die durch die Linien des Diagramms mit dem Punkt unserer bevorzugten Strategie verbunden sind.

Ein Verbindungspunkt wird als unsere „vernachlässigte Strategie“ bezeichnet, weil wir sie mangels Vertrauens vermeiden, obwohl es uns guttun würde, sie zu nutzen. Die Strategie am anderen Anknüpfungspunkt wird als unsere „unterstützende Strategie“ bezeichnet. Wir setzen sie häufig zur Untermauerung unsere bevorzugte Strategie ein.

Idealerweise sollte es unser Ziel sein, flexibel in der Wahl unserer Strategie zu sein, um situationsbedingt angemessen zu reagieren. Das Wissen um das Enneagramm hilft uns, diese Flexibilität zu entwickeln. Wenn wir die Instinctual Biases mit den Strategien kombinieren, erhalten wir drei verschiedene Versionen jedes Ennea-Typus.

Zum Beispiel:

Die Strategie des Ennea-Typus DREI ist das Streben, sich „herausragend zu fühlen“.

Eine „Preserving DREI“ konzentriert sich dabei jedoch mehr auf Themen, die dieser Domäne entspringen, z.B. Gesundheit. Er oder sie wird u.U. viel Sport treiben und dafür sorgen, dass andere das auch mitbekommen.

Eine „Navigating DREI“ wird Themen aus dem Navigating-Bereich im Auge behalten, um sich dort „herausragend zu fühlen“ z.B. Nachbarschaftshilfe oder sich im Betriebsrat einer Firma engagieren.

Die „Transmitting DREI“ sind die – nach außen – stets strahlenden Gewinner, z.B. der jüngste CEO der Firmengeschichte, der Mitarbeiter des Monats, der beste Vertriebler im Team etc. Was nicht automatisch heißt, dass andere nicht auch Ziele dieser Art erreichen können.